Tierwohl
Das IfA setzt sich für ein besseres Tierwohl in der Schweizer Kälber- und Rinderhaltung ein. Im Zentrum steht die Förderung der Weidemast: Kälber aus der Milchproduktion sollen vermehrt auf dem Geburtsbetrieb aufgezogen werden, statt im Alter von drei Wochen in die Grossviehmast zu gehen. Das Abtränken auf dem Geburtsbetrieb stärkt das Immunsystem der Kälber und reduziert Krankheitsrisiken. Im Alter von vier Mona-ten werden die sogenannten Remonten auf dem Geburtsbetrieb oder auf einem nahe-gelegenen Partnerbetrieb weidebasiert gemästet. Dies ermöglicht eine tiergerechte Haltung und verbessert das Wohlbefinden der Tiere über ihre gesamte Lebensdauer.
Um dieses System zu fördern und somit das Tierwohl systemisch zu verbessern, setzt sich das IfA für Partnerschaften zwischen Geburts- und Weidemastbetrieben, für die Absatzförderung von Weiderindfleisch und die Kommunikation des Themas in Gesell-schaft und Politik ein. Haben Sie Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns zu diesem Thema? Wir freuen uns über eine Kontaktanfrage.
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Antibiotikaresistenzen betreffen Mensch, Tier und Umwelt
Weltweit werden rund 73% des Antibiotikaverbrauchs in der Tierhaltung eingesetzt.1 Dies trägt zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen bei, welche die Behandlung von Krankheiten bei Tieren und Menschen erschweren können. Antibiotikaresistenzen stellen deshalb eine Herausforderung für die langfristige Nachhaltigkeit der Landwirtschaft und des Gesundheitssystems dar.
Gemäss Bericht des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ist der Antibiotikaverbrauch in der Schweizer Nutztierhaltung 2024 insgesamt zurückgegangen.2 Bei Rindern wurde jedoch weiterhin die höchste Anzahl Behandlungen pro 1000 Tiere verzeichnet, zudem war gegenüber dem Vorjahr ein leichter Anstieg zu beobachten.
Tierwohl und Tiergesundheit gehören zusammen
Gesunde Tiere sind ein wichtiger Bestandteil einer tiergerechten Haltung. Ein geringer Antibiotikaverbrauch kann deshalb als Hinweis auf ein funktionierendes Haltungssystem verstanden werden. Denn Antibiotika werden vor allem dann benötigt, wenn Tiere erkranken oder ein erhöhtes Krankheitsrisiko besteht.
Gerade bei Kälbern ist dieses Risiko oft hoch. In herkömmlichen Mastsystemen werden die Tiere bereits im Alter von drei bis sechs Wochen von verschiedenen Betrieben zusammengeführt. Zu diesem Zeitpunkt befinden sie sich in einer empfindlichen Phase der Immunentwicklung: Der Schutz durch die Antikörper aus dem Kolostrum nimmt ab, während das eigene Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist (siehe Abbildung 2). Die Vermischung von Kälbern unterschiedlicher Herkunft erhöht zu diesem Zeitpunkt deshalb das Risiko für Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen und fördert den präventiven Einsatz von Antibiotika.3,4

Weidemast als Teil der Lösung
Ein vielversprechender Ansatz besteht darin, Kälber zunächst auf ihrem Geburtsbetrieb abzutränken. Dadurch entfällt die frühe Zusammenführung mit Tieren aus anderen Betrieben während der sensiblen Phase ihrer Immunentwicklung. Dies stärkt ihre Gesundheit und reduziert das Krankheitsrisiko.
Anschliessend werden die Tiere auf dem Geburtsbetrieb oder einem nahegelegenen Partnerbetrieb weidebasiert gemästet. Die Weidehaltung ermöglicht mehr Bewegung, fördert natürliches Verhalten und wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Tiere aus. Studien zeigen unter anderem verbessertes Liegeverhalten und körperliche Gesundheit auf der Weide.5
Ein Beitrag zum One-Health-Ansatz
Die Vorteile einer tiergerechten Weidemast gehen über den einzelnen Betrieb hinaus. Der One-Health-Ansatz betont, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt eng miteinander verbunden sind. Eine Reduktion des Antibiotikaverbrauchs in der Nutztierhaltung kann deshalb nicht nur das Tierwohl verbessern, sondern auch einen Beitrag zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen leisten.6
Das IfA fördert diesen systemischen Ansatz durch die Vernetzung von Geburts- und Weidemastbetrieben sowie durch die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten für Weiderindfleisch. Ziel ist eine Landwirtschaft, die Tierwohl, Umweltziele und wirtschaftliche Perspektiven miteinander verbindet.
Quellen
- Mulchandani, R., Wang, Y., Gilbert, M. & Boeckel, T. P. V. Global trends in antimicro-bial use in food-producing animals: 2020 to 2030. PLOS Glob. Public Health 3, e0001305 (2023).
- Antibiotikaeinsatz und Antibiotikaresistenzen in der Schweiz. https://www.star.admin.ch/de/ueberwachung.
- Neff, A. S., Lerch, M. & Schneider, C. Artgerechte Kälbermast und Aufzucht von Mastremonten. (2021).
- Becker, J. et al. Effects of the novel concept 'outdoor veal calf' on antimicrobial use, mortality and weight gain in Switzerland. Prev. Vet. Med. 176, 104907 (2020).
- Wróbel, B., Zielewicz, W. & Staniak, M. Challenges of Pasture Feeding Systems—Opportunities and Constraints. Agriculture 13, 974 (2023).
- Clifford Astbury, C. et al. Strengthening governance for antimicrobial resistance: a One Health perspective. Rev. Sci. Tech. Sci. Tech. Rev. Rev. Científica Téc. 44, (2025).

