Ressourceneffiziente Graslandnutzung
Ein für uns zentraler Weg zur ressourceneffizienten Graslandnutzung ist das Weiderind. Dabei werden die Kälber aus der Milchproduktion vermehrt auf dem Geburtsbetrieb abgetränkt und können danach als Weiderinder auf dem Geburts- oder einem Partnerbetrieb aufgezogen werden oder später selbst zu Milchkühen heranwachsen. Auf diese Weise werden Milch und Fleisch graslandbasiert und gemeinsam gedacht.
Das System bringt gleich mehrere Vorteile: Erstens entwickeln Kälber ihr Immunsystem durch den längeren Verbleib auf dem Geburtsbetrieb vollständig aus, bevor sie auf einen Partnerbetrieb gehen, wodurch der Antibiotikaverbrauch drastisch sinkt1,2. Zweitens wird das Grasland in der Schweiz optimal genutzt, während Ackerflächen für die direkte Produktion von Lebensmitteln frei bleiben3. Und drittens haben Studien gezeigt, dass durch die Kopplung von Milch- und Fleischproduktion die Emissionen der Rindviehhaltung gesenkt werden können4. So entstehen Milch und Fleisch im Einklang – ressourcenschonend, tiergerecht und im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft. Wir setzen uns in verschiedenen Projekten für dieses Produktionssystem ein und freuen uns bei Interesse über Ihre Kontaktanfrage.
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Weltweit ist die Landnutzung verantwortlich für rund ein Viertel der gesamten direkten und indirekten Treibhausgasemissionen von 59 Giga-Tonnen CO2-Äquivalenten5,6. Rund zwei Drittel dieser Landnutzungs-Emissionen stammen direkt aus dem Ernährungssystem. Dabei handelt es sich zu einem grossen Teil um Methanemissionen aus der Verdauung der Rinder.
Damit die Methanemissionen und die anderen negativen Umweltwirkungen sinken, müssen die weltweiten Nutztierbestände verkleinert werden. Das heisst, dass wir den Konsum tierischer Lebensmittel auf ein nachhaltiges Niveau senken müssen. Dieses ist jedoch nicht null. Es ist vielmehr erreicht, wenn die Nutztiere mit dem vorhandenen Grasland ernährt werden können sowie mit Nebenprodukten aus der Ernährungswirtschaft (Getreidenebenprodukte wie Kleie, Presskuchen von Raps und Sonnenblumen, Trester von Obst und Rebenverarbeitung sowie mittelfristig wieder die Nutzung von Lebensmittelabfällen als Futtermittel), also ohne, dass zusätzliche Futtermittel für sie angebaut werden müssen.
Die Haltung von Wiederkäuern ist überall dort ökologisch sinnvoll, wo Dauergrünland und Sömmerungsflächen vorhanden sind. Die Schweiz liegt mit 68% Grasland der landwirtschaftlichen Nutzfläche im globalen Durchschnitt7,8. Da der Mensch das Gras nicht direkt verwerten kann, kann diese Fläche nur durch Wiederkäuer für die menschliche Ernährung genutzt werden. Die Wiederkäuer, insbesondere die Rinder, können jedoch die Zellulose spalten und in wertvolle Proteine in Form von Milch und Fleisch umwandeln; Lebensmittel, die viele Menschen schätzen. Weltweit leben geschätzt mehr als 200 Millionen Menschen fast ausschliesslich von der Weidewirtschaft (Pastoralisten)9. In der Entwicklung der Menschheit, auch in der kulturellen, haben Hirtenvölker eine wichtige Rolle gespielt. Die Nutzung dieses Graslandes ist also ein wertvoller und unersetzlicher Beitrag zur Ernährungssicherheit. Würden wir auf die so gewonnenen Kalorien und Proteine verzichten, hätte dies drastische ökologische Konsequenzen, denn die verlorene riesige Nahrungsmenge müsste ersetzt werden.
Das (Weide-)Rindfleisch ist ein Koppelprodukt der Milchproduktion.
In diesem Kontext lohnt es sich zu erwähnen: die Milchproduktion ist aus ökologischer Sicht effizienter als die Fleischproduktion, da weniger Umwandlungsverluste entstehen. Aus derselben Menge Gras entsteht mehr Milch als Fleisch. Oder anders formuliert: Wenn wir die Milch(-produkte) selber konsumieren, haben wir mehr davon, als wenn wir die Milch erst dem Kalb geben und danach das Fleisch essen. Eine gewisse Fleischproduktion geht jedoch mit der Milchproduktion einher: die Kühe liefern nur Milch, wenn sie jährlich ein Kalb gebären. Da die männlichen Kälber später keine Milch geben können, werden sie gemästet und liefern uns Fleisch. Die ökologischste Form der Graslandnutzung ist also die Milchviehhaltung zur Milchproduktion und daraus als Koppelprodukt entstehend: die Produktion von (Weide-)Rindfleisch.
Eine schonende Nutzung des Graslandes unterstützt zudem den Erhalt der Biodiversität, schützt den Boden vor Erosion, reguliert den Wasserhaushalt, baut Humus auf und bindet dadurch CO2. Beispielsweise verhindert die Beweidung der Sömmerungsflächen deren Verbuschung, was noch ein Pluspunkt für die Biodiversität ist, und auch unser Landschaftsbild erhält.
Ressourceneffizienz in der Landwirtschaft heisst zunächst einmal: Kulturland und Bodenfruchtbarkeit schützen
Die Ökoeffizienz auf ein nachhaltiges Maximum zu erhöhen bedeutet, dass auf der vorhandenen Agrarfläche langfristig möglichst viele Lebensmittel produziert werden. Ressourceneffizienz («mehr von weniger») ist eine zentrale Nachhaltigkeitsstrategie. Sie geht weit über kurzfristige Ertragsmaximierungen hinaus. Diese haben den umgekehrten Effekt und können dazu führen, dass die Bodenfruchtbarkeit oder das Kulturland verloren gehen und neues Land gewonnen werden muss. Es geht also zunächst darum die Produktionskapazität des Kulturlandes langfristig zu erhalten und auf den vielen Landwirtschaftsflächen, wo sie schon beschädigt wurde, wiederherzustellen (>regenerative Landwirtschaft). Dies steigert den Gesamtertrag der Fläche und verhindert die Ausdehnung der Landwirtschaftsflächen.
Dann bedeutet Ökoeffizienz auch, dass wir das Ackerland wo immer möglich direkt für die menschliche Ernährung nutzen und so Umwandlungsverluste minimieren.
Eine der Hauptursachen der nahrungsbedingten Umweltwirkungen ist der hohe Anteil an tierischen Produkten in unserer Ernährung, der nicht nur zu den hohen Nutztierzahlen führt, sondern unser Ernährungssystem sehr ineffizient macht. Global gesehen essen wir Menschen nur eine von drei produzierten Proteineinheiten direkt, während zwei Einheiten verloren gehen. Das heisst grob gesagt, wenn wir eine Portion Protein in Form von Fleisch essen, hat das Tier für diese Portion Fleisch selber schon drei Portionen pflanzliches Protein gegessen10. Zwei Portionen Protein sind für uns also über die Fütterung des Tieres verloren gegangen. Diese Form von Verlusten werden Umwandlungsverluste genannt, denn es wäre um einiges effizienter, wenn wir die Proteine, die wir den Tieren füttern, selber essen würden. Einzig die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion hat eine positive Bilanz in der Protein Produktion (Netto Protein Produktion).
In der Schweiz ist die Verwertung von Proteinen noch ineffizienter als im globalen Vergleich. Nur jede sechste produzierte Proteineinheit wird schlussendlich gegessen11, vor allem weil wir in der Westlichen Mainstream Diät noch mehr tierische Proteine essen als anderswo12. Die Umwandlungsverluste sind deswegen besonders hoch.
Die Produktionsflächen können wir also effizient nutzen, wenn wir auf dem Ackerland so weit wie möglich auf den Anbau von Tierfutter verzichten und stattdessen Nahrungsmittel für Menschen anbauen. So verringern wir Umwandlungsverluste, die durch die indirekte Ackernutzung für Tierfutter entstehen. Ein Grossteil der Ackerfrüchte wird heutzutage für die Fütterung von Schweinen, Hühnern und sogar Wiederkäuern wie Kühen genutzt, damit die Mengen an Fleisch, Milch und Eiern für die Westliche Mainstream Diät produziert werden können13. Mit derselben Fläche können jedoch wesentlich mehr Proteine und Kalorien produziert werden, wenn wir statt Tierfutter Getreide und Hülsenfürchte für den direkten menschlichen Verzehr anbauen. Dies bedingt allerdings eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, wir müssten weniger tierische und dafür mehr pflanzliche Proteine essen. Und innerhalb der tierischen Proteine müssten wir mehr graslandbasierte Produkte konsumieren.
Quellen
- Becker, J. et al. (2020). Effects of the novel concept 'outdoor veal calf' on antimicrobial use, mortality and weight gain in Switzerland. Prev. Vet. Med. 176, 104907.
- Neff, A. S., Lerch, M. & Schneider, C. (2021). Artgerechte Kälbermast und Aufzucht von Mastremonten.
- Leiber, F., Bautze, L., Bühl, V., Müller, A. & Pfeifer, C. (2025). Kuh und Klima.
- van Selm, B., de Boer, I. J. M., Ledgard, S. F. & van Middelaar, C. E. (2021). Reducing greenhouse gas emissions of New Zealand beef through better integration of dairy and beef production. Agric. Syst. 186, 102936.
- Smith, P. et al. (2008). Greenhouse gas mitigation in agriculture. Philos. Trans. R. Soc. B Biol. Sci. 363, 789–813.
- IPPC. Climate Change and Land: IPCC Special Report on Climate Change, Desertification, Land Degradation, Sustainable Land Management, Food Security, and Greenhouse Gas Fluxes in Terrestrial Ecosystems. (Cambridge University Press, 2022). doi:10.1017/9781009157988.
- Agrarbericht 2024 – Grasland Schweiz. https://2024.agrarbericht.ch/de/produktion/standortangepasste-produktion/grasland-schweiz.
- Land Use. Our World Data. https://ourworldindata.org/land-use (2019).
- Scoones, I. (2022). Livestock, Climate and the Politics of Resources: A Primer.
- Mottet, A. et al. (2017). Livestock: On our plates or eating at our table? A new analysis of the feed/food debate. Glob. Food Secur. 14, 1–8.
- Agristat. Statistische Erhebungen Und Schätzungen Über Landwirtschaft Und Ernährung. (2022).
- Revell, B. J. (2015). One Man's Meat … 2050? Ruminations on Future Meat Demand in the Context of Global Warming. J. Agric. Econ. 66, 573–614.
- Crippa, M. et al. (2021). Food systems are responsible for a third of global anthropogenic GHG emissions. Nat. Food 2, 198–209.
