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Die Ernährungsökologie ist jener Teil der Agrarökologie, der sich mit den Wirkungen unserer Ernährung auf Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft befasst. Was wir essen, wie viel davon und woher es stammt, hat weitreichende Konsequenzen: für unseren Körper, für das Klima, für die Biodiversität und für die Ressourcen, die unsere Landwirtschaft beansprucht. Gleichzeitig ist Essen Genuss und ein zentraler Bestandteil kultureller Identität. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist deshalb nicht nur eine Voraussetzung für individuelle und gesellschaftliche Gesundheit, sondern auch ein Schlüssel zur Transformation unseres Ernährungssystems hin zur Nachhaltigkeit. In unseren Projekten setzen wir uns mit Ernährungsbildung, Konsummustern und der Verbindung zwischen Landwirtschaft und Ernährung auseinander. Mehr dazu finden Sie unter Angebot.

 

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Was eine gesunde Ernährung ausmacht, wird wissenschaftlich seit langem untersucht. Visualisierungen wie die Schweizer Lebensmittelpyramide1 oder der «Gesunde Teller»2 der Harvard-Forschungsgruppe um Walter C. Willett (Harvard T.H. Chan School of Public Health, 2011) zeigen, in welchem Verhältnis Gemüse, Früchte, Kohlenhydrate, Eiweiss und Fette eine gesunde Ernährung ausmachen sollten.

Die vorherrschende Ernährungsweise in westlichen Gesellschaften weicht davon ab: hochverarbeitete Lebensmittel, zugesetzter Zucker und Salz dominieren häufig den Speiseplan und verdrängen nährstoffreiche, weniger verarbeitete Alternativen3,4. Die damit verbundenen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Kosten sind erheblich - in der Schweiz entfallen 72 % der jährlichen Gesundheitskosten von rund 65 Mrd. Franken auf nicht-übertragbare Krankheiten, darunter viele ernährungsbedingte Erkrankungen5,6.Die ökologischen Folgen unserer Ernährung sind mindestens ebenso bedeutsam. Weltweit ist die Landnutzung für rund ein Viertel der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich7,8, und zwei Drittel dieser Emissionen stammen direkt oder indirekt aus dem Ernährungssystem. Dabei spielen Methanemissionen aus der Rinderhaltung ebenso eine Rolle wie CO₂-Emissionen durch Entwaldung und Moorentwässerung zur Gewinnung neuer Landwirtschaftsflächen9. Die Ausweitung dieser Flächen ist gleichzeitig eine Hauptursache des globalen Biodiversitätsverlustes - verschärft durch die Verschmutzung von Lebensräumen durch Pestizide und Dünger10. Um diese Wirkungen zu reduzieren, braucht es zwei zentrale Hebel: eine Anpassung der Konsummuster hin zu einem insgesamt ausgewogeneren Verhältnis tierischer und pflanzlicher Lebensmittel sowie eine deutliche Steigerung der Ökoeffizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Ein besonders wirkungsvoller, aber oft unterschätzter Ansatzpunkt ist die Reduktion von Lebensmittelverlusten. In der Schweiz geht rund ein Drittel aller essbaren Anteile von Lebensmitteln zwischen Hof und Teller verloren oder wird verschwendet11. Gelänge eine Reduktion der Lebensmittelverluste um 25 %, müssten bereits 6 % weniger Kalorien erzeugt und 163 Millionen Hektar Land weniger bewirtschaftet werden7. Die dafür notwendigen Ressourcen, Flächen und Emissionen fielen schlicht weg - ohne jede Änderung der eigentlichen Ernährungsweise.
Ernährung ist jedoch mehr als Gesundheit und Ökologie: Essen ist Genuss und Kultur12,13. Das gemeinsame Zubereiten und Essen stiftet Gemeinschaft und ist ein Grundpfeiler kultureller Identität - in der Agrarökologie daher als eigenständiges Prinzip verankert14. Ernährungsbildung, nicht als Verzichtsappell, sondern durch gemeinsames Kochen, Geniessen und den bewussten Umgang mit Lebensmitteln, ist ein zentraler Schlüssel für die Nachhaltigkeit unserer Ernährungswirtschaft.
 

Quellen
  1. https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/lebensmittel-und-ernaehrung/ernaehrung/empfehlungen-informationen/schweizer-ernaehrungsempfehlungen.html
  2. https://nutritionsource.hsph.harvard.edu/healthy-eating-plate/
  3. Monteiro CA, Cannon G, Levy RB, Moubarac JC, Louzada ML, Rauber F, Khandpur N, Cediel G, Neri D, Martinez-Steele E, Baraldi LG, Jaime PC. Ultra-processed foods: what they are and how to identify them. Public Health Nutr. 2019 Apr;22(5):936-941. doi: 10.1017/S1368980018003762. Epub 2019 Feb 12. PMID: 30744710; PMCID: PMC10260459.
  4. GBD 2017 Diet Collaborators. Health effects of dietary risks in 195 countries, 1990-2017: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2017. Lancet. 2019 May 11;393(10184):1958-1972. doi: 10.1016/S0140-6736(19)30041-8. Epub 2019 Apr 4. Erratum in: Lancet. 2021 Jun 26;397(10293):2466. doi: 10.1016/S0140-6736(21)01342-8. PMID: 30954305; PMCID: PMC6899507.
  5. https://www.bag.admin.ch/de/zahlen-und-fakten-zu-nichtuebertragbaren-krankheiten
  6. https://ind.obsan.admin.ch/monam
  7. Poore J, Nemecek T. Reducing food's environmental impacts through producers and consumers. Science. 2018 Jun 1;360(6392):987-992. doi: 10.1126/science.aaq0216. Erratum in: Science. 2019 Feb 22;363(6429):eaaw9908. doi: 10.1126/science.aaw9908. PMID: 29853680.
  8. https://ourworldindata.org/greenhouse-gas-emissions
  9. IPCC, 2022: Climate Change 2022: Impacts, Adaptation, and Vulnerability. Contribution of Working Group II to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [H.-O. Pörtner, D.C. Roberts, M. Tignor, E.S. Poloczanska, K. Mintenbeck, A. Alegría, M. Craig, S. Langsdorf, S. Löschke, V. Möller, A. Okem, B. Rama (eds.)]. Cambridge University Press. Cambridge University Press, Cambridge, UK and New York, NY, USA, 3056 pp., doi:10.1017/9781009325844.
  10. IPBES (2019): Summary for policymakers of the global assessment report on biodiversity and ecosystem services of the Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. S. Díaz, J. Settele, E. S. Brondízio E.S., H. T. Ngo, M. Guèze, J.Agard, A. Arneth, P. Balvanera, K. A. Brauman, S. H. M. Butchart, K. M. A. Chan, L. A. Garibaldi, K. Ichii, J. Liu, S. M. Subramanian,G. F. Midgley, P. Miloslavich, Z. Molnár, D. Obura, A. Pfaff, S. Polasky, A. Purvis, J. Razzaque, B. Reyers, R. Roy Chowddhury, Y. J. Shin, I. J. Visseren-Hamakers, K. J. Willis, and C. N. Zayas (eds.). IPBES secretariat, Bonn, Germany.
  11. https://www.bafu.admin.ch/de/foodwaste
  12. Montanari, M. Food Is Culture. 2006. ISBN 0-231-13790-7.
  13. Spence, C. Gastrophysics : the new science of eating. 2017. ISBN 978-0241977736.
  14. https://www.fao.org/agroecology/en
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