Ökologische Intensivierung, Ökolandbau oder Agrarökologie: Wegbereiter eines lösungsorientierten Dialogs?

Die globale Nahrungsmittelproduktion geht auf Kosten des Naturkapitals und bedroht die Stabilität des Planeten. Ganz unterschiedliche Lösungen sollen aus dieser Sackgasse führen. Schafft es die nachhaltige oder die ökologische Intensivierung, der Ökolandbau oder die Agrarökologie? Mit dieser Frage setzt sich Urs Niggli in einem Beitrag in der Zeitschrift Ökologie & Landbau auseinander. Untenstehend einige Passagen aus dem Beitrag.

Was ist Agrarökologie?

Agrarökologische Betriebe wenden die besten nachhaltigen Praktiken an. Dazu gehören weite Fruchtfolgen, gemischte Anbau- und Viehhaltungssysteme, Polykulturen, Zwischen-, Deck- und Mischkulturen, natürliche oder halbnatürliche Lebensräume und Korridore. Wichtig sind auch lokale Züchtungsprogramme, die sowohl bei Pflanzen wie Tieren auf Resilienz, Krankheitstoleranz, gute standörtliche Anpassungsfähigkeit und eine effiziente Nutzung von knappen oder nicht optimierten Nährstoffen setzen. Die Zufuhr von außerbetrieblichen Stoffen wird zum größten Teil durch eine konsequente Kreislaufwirtschaft ersetzt, wobei in Zukunft die Kreisläufe auch die Konsumenten umfassen müssen.

Freiere und kreativere Debatte möglich

Die Agrarökologie in ihrem gegenwärtigen Zustand ist angenehm unaufgeregt, noch nicht in politische Spitzfindigkeiten und Marktinteressen verstrickt. Dies ermöglicht eine freiere und kreativere Debatte, die dringend angeraten ist. Ein produktivitätsorientierter Landwirt optimiert Erträge und Effizienz.

Ein Biobauer strebt die bestmögliche Einhaltung der Standards an. Beides genügt nicht. In der Agrarökologie haben alle Akteure viel Freiheit, vorausgesetzt, das Ziel wird nicht aus den Augen verloren. Diese Ausrichtung auf ein Ziel erfordert ein ganzheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit. Künftige Agrarökolandwirte müssen ihren Betrieb mithilfe geeigneter Bewertungsmethoden in einer wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltigen Weise führen. Leider erleben sie derzeit das gleiche Schicksal wie alle Pioniere, nämlich die mangelnde Unterstützung durch die Agrarforschungsgemeinschaft und die etablierten Wissenssysteme.

Denn die Agrarwissenschaftler sind trotz großer Anstrengungen noch nicht in der Lage, im Kontext von stark diversifizierten Produktionssystemen, die statt von externen Betriebsmitteln von einer hohen Aktivierung betrieblicher Ressourcen und einer hohen transformativen Effizienz geprägt sind, zu forschen. Diese Art der Forschung bedeutet mehr als Multi- oder Interdisziplinarität; im besten Fall lösen sich die Grenzen zwischen den Disziplinen auf und verschmelzen zu einem gemeinsamen Arbeitsrahmen, der als „Design Thinking“ oder als Postdisziplinarität bezeichnet wird (Brown, 2019).

Solche Ansätze werden – noch zaghaft zwar – im Programm „Agrarsysteme der Zukunft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) verfolgt. Wissenschaftler arbeiten heute im Wettbewerb. Möglicherweise bieten neue digitale Kommunikationsmöglichkeiten bessere Möglichkeiten, Daten gemeinsam zu erarbeiten und mit mehreren Teams an der Methodenentwicklung zu arbeiten. Man könnte diesen neuen Ansatz zur Zusammenarbeit als Schwarmintelligenz bezeichnen, welche Wissenschaftler auf das gleiche Ziel ausrichtet, anstatt unproduktiven Wettbewerb zu fördern.