(Aarau, 27. April 2026) in der estnischen Hauptstadt Tallinn trafen sich vom 20. bis 22. April über 400 Tierärztinnen, Tierärzte sowie Fachpersonen aus dem Bereich Tierwohl aus ganz Europa. Sie sind Teil eines Netzwerks mit mehr als 1'000 Expertinnen und Experten, das im Rahmen der «Europäischen Partnerschaft für Tiergesundheit und Tierwohl» zusammenarbeitet.
Ziel dieser Initiative ist es, Wissen, Diagnoseinstrumente, Entscheidungsgrundlagen sowie KI-gestützte Anwendungen für Tierärzte und landwirtschaftliche Beratende zu bündeln und die Tiergesundheit gemeinsam ganzheitlich weiterzuentwickeln.
Tiergesundheit neu gedacht: Wohlbefinden im Fokus
Im Zentrum der Partnerschaft steht ein erweitertes Verständnis von Tiergesundheit: Entscheidend ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheiten, sondern auch das Wohlbefinden der Tiere.
Die Herausforderungen sind erheblich: Nutztiere in Europa sind zunehmend durch Infektionskrankheiten gefährdet. Dazu zählen Viruskrankheiten wie die Vogelgrippe bei Rindern und Geflügel, bakterielle Infektionen wie E. coli in der Schweine- und Geflügelhaltung sowie weiterhin bestehende Risiken durch BSE bei Rindern.
Auch in der Aquakultur nehmen Gesundheitsprobleme bei Fischen zu, während Honigbienen gleichzeitig unter mehreren Infektionen leiden, die zu erheblichen Verlusten führen.
Ursachen: Mehr als nur Krankheitserreger
Zusätzlich verstärken übergreifende Faktoren wie unzureichende Biosicherheit, Stress sowie Störungen des natürlichen Mikrobioms (insbesondere im Verdauungstrakt) das Krankheitsgeschehen.
Fachleute betonen daher den engen Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und Tierwohl: Ungünstige Haltungsbedingungen schwächen das Immunsystem und erhöhen die Anfälligkeit für Krankheiten, während gesunde Tiere weniger Stress und Leiden ausgesetzt sind.
EU setzt auf Partnerschaften
Europäische Partnerschaften sind ein relativ neues Förderinstrument der EU. Seit rund drei Jahren vernetzen sie Wissenschaft, Praxis und Politik in zentralen Themenfeldern wie Tiergesundheit, Agrarökologie, Klimawandel, Bodenfruchtbarkeit oder ernährungsbedingten Krankheiten.
Schweiz bleibt aussen vor
Die Schweiz beteiligt sich derzeit nicht an diesen Partnerschaften. Angesichts der hohen wissenschaftlichen Qualität und der praktischen Relevanz der Arbeiten wird dies von Fachleuten als verpasste Chance eingeordnet.
Internationale Zusammenarbeit ermöglicht es oft, Herausforderungen effizienter und kostengünstiger zu bewältigen als nationale Alleingänge.
Weitere Informationen
Kontakt
Prof. Dr. Urs Niggli, Präsident des Instituts für Agrarökologie und Mitglied des Wissenschaftlichen Beratungsgremiums der EU -Partnerschaft Tiergesundheit und Tierwohl
Weblinks
Webseite der Partnerschaft: https://www.eupahw.eu/
